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Ein warmes Frühstück – global betrachtet
- 25.10.2010.
Frühstück ist das Synonym für Vertrautheit. Es ist ein Gefühl der Zugehörigkeit.
Im Vergleich zu anderen Mahlzeiten verrät das
Frühstück am besten unsere Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur und
Herkunft. Der Grund liegt möglicherweise darin, dass wir uns morgens nach
Kuscheln und Sicherheit sehnen - so ungeschützt und ohne einen Schutzpanzer,
der uns durch den Tag begleiten würde. Vielleicht greifen wir eben deshalb zu
dem, was uns am nähesten und einfachsten ist und uns am schnellsten die Balance
zur Außenwelt sichert.
Das Frühstück ist für viele die
Lieblingsmahlzeit. Seine Anziehungskraft kommt aus seiner Einfachheit. Das Frühstück ist keine Sache von
Chefetagen oder modernen Küchen.
Jedermann ist in der Lage, einen Kaffee oder Eier zu kochen bzw. dem Toaster eine
Scheibe Brot zu entlocken.
New York. Eine Amerikanerin bei der
Frühstücksvorbereitung für ihre Familie. Aus dem Maxi-Kühlschrank nimmt sie
Butter, Eier, Speck, Milch, Käse und Orangensaft. Und Bagel,
Cornflakes und Obst.
Sie schaltet den Kaffeeautomaten ein. In ein paar Minuten wird sich die Küche
in eine wunderbare Geruchsoase verwandeln und somit den Rest der Familie aus
dem Wochenendtaumel reißen. In
15 bis 20 Minuten landen Ham & Eggs auf dem Tisch, Bagels mit Cream-Cheese,
Pancakes (amerikanische Pfannkuchen) mit Obst und Ahornsirup.
Und natürlich: große Tassen mit Filterkaffee. Am Ende verspeisen die Kinder
noch eine Schale Cornflakes mit Milch.
Übrigens, ein ähnlicher Geruch wird auch
Familien in Liverpool bzw. in ganz England das Wasser im Mund zusammenlaufen
lassen. Auch dort isst man Ham & Eggs. Etwas nördlicher allerdings, in
Schottland, könnte sich der Lachs auf dem Tisch einfinden - nach Wunsch frisch
oder geräuchert. Außerdem
findet man in Schottland sowie bei den Nachbarn in Irland natürlich porridge - in Wasser oder Milch gekochte
Haferflocken, je nach Geschmack mit Salz, Braunzucker, getrockneten Trauben,
Zimt oder Rahm vermischt.
Russen, Ukrainer und Polen nehmen ihr Frühstück
ebenfalls mit einem Löffel ein, wobei ihr Brei hauptsächlich aus Buchweizen und
Sauerrahm besteht.
Die Anziehungskraft des Frühstücks kommt aus seiner Einfachheit.
Rom. Hinter den Cafe-Bars drängen sich die noch
verschlafenen Körper im Kampf um ihre morgendliche Koffeindosis. Abhängig von
der Milchmenge in ihrer Tasse wählen sie espresso,
caffe macchiato, latte macchiato, aber vor allem - capuccino. Dazu isst man stehend etwas Süßes aus
Blätterteig, mit oder ohne Honig, Marmelade oder Schokolade - im Norden zu bestellen
unter brioches und südlich von Rom
unter cornetto.
Man muss gut geübt und vorsichtig sein, damit sich der Staubzucker nicht
bereits nach dem ersten Biss wie der Morgennebel hebt und auf der Krawatte oder
dem Anzug landet. Oder der Blätterteig nicht auf dem Lippenstift zu stehen
kommt.
Auch das französische Frühstück sieht ein warmes
Getränk und Süßspeise oder Kuchen vor. Während der Woche isst man in den französischen Küchen am
liebsten ein Stück Brot, baguette genannt,
mit Butter und Marmelade - wobei an den Wochenenden Blätterteiggebäck unter dem
Namen croissant den Gaumen erfreut.
Peking. Leeren Magens verlässt das Pärchen die
Wohnung Richtung Arbeitsstelle. Am
Weg macht es bei seinem Lieblingsstand halt. Dieser hat von 5 bis 9 Uhr morgens
offen und bietet ausschließlich Frühstück an. Gekauft werden im Dampf gekochte
und mit Schweinefleisch und Gemüse gefüllte dumplings
(gefüllte, mit Raviolen vergleichbare Teigtaschen).
Aber auch gesalzene Zwiebelpalatschinken sind eine gute Alternative. Besonders
geschickt wird mit Stäbchen aus der Tüte das Frühstück genommen, während man
auf die öffentlichen Verkehrsmittel wartet.
Etwas östlicher, in Tokyo, wird die erste Mahlzeit der Morgenreis sein - auch asagohan genannt.
Reis am Morgen füllt auch den Magen den Menschen in Thailand, Korea und dem
Großteil der fernöstlichen Völker.
Mexico City. Das bunte und pikante desayuno stellt vor allem tortillas dar oder "mexikanisches
Brot" - wie sie oft genannt werden: mit Fleisch, Bohnen, Käse und Gemüse.
Oder sogenannte huevos rancheros,
Spiegeleier auf tortilla mit pikanter
Tomatensauce. Mit - versteht sich - viel buntem Obst und Gemüse: Paprika, Banane,
Avokado, Mango, Ananas.
Im maghrebinischen (nord- und nordwestlichen) Afrika bedeutet Frühstück Tee und Brot aus verschiedenem Getreide neben Hülsenfrüchten, Fisch und Joghurt. In den südlicheren Teilen Afrikas nimmt man zum Frühstück verschiedene Arten von Brei aus Hirse, Reis oder Mais. Dazu Obst wie Kokos und Banane.
Frühstück ist das Synonym für Vertrautheit. Es
ist ein Gefühl der Zugehörigkeit. Leben kann man auch dann, wenn man die eigene
Muttersprache nicht spricht, sich anpasst und die Art, sich zu kleiden, ändert,
sich einem Klima und einer unbekannten Umgebung anpasst, aber das Frühstück...
Erst dann, wenn wir das "Unsere" mit etwas "Fremden"
verwechseln, werden wir von uns behaupten können, keine Fremden mehr zu sein.
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